


KIEin guter PMU-Nachsorgeplan hat vier Etappen: zwei bis drei Tage Wundpflege, eine Woche Krusten aushalten, zwei bis drei Wochen Geduld mit einer Farbe, die plötzlich „weg“ scheint, und ab etwa Woche vier bis sechs der ehrliche Blick aufs Ergebnis. Wer diese Etappen kennt, gerät nicht in Panik. Und wer sie als Pigmentiererin der Kundin schriftlich mitgibt, spart sich Anrufe am Sonntagabend. Ich bin Selin, wir führen seit 30 Jahren einen Kosmetik-Familienbetrieb, und ich habe unzählige Brauen, Lippen und Lidstriche abheilen sehen. Hier ist der Plan, den ich mir selbst geben würde.
Permanent Make-up ist – so unromantisch es klingt – eine kontrollierte Verletzung. Die Nadel bringt Pigment in die oberen Schichten der Lederhaut, und die Haut reagiert genau so, wie sie auf jede kleine Wunde reagiert: Sie schließt sich, sie baut neu auf, sie stößt ab, was obenauf liegt. Die Phasen laufen bei jeder Kundin etwas anders, je nach Hauttyp, Zone und Technik. Als grobe Landkarte taugen sie trotzdem.
Direkt nach der Behandlung wirkt alles zu dunkel, zu kräftig, zu breit. Die Haut ist gerötet, bei Lippen oft deutlich geschwollen, die Stelle sondert in den ersten Stunden Wundflüssigkeit ab. Genau hier liegt ein Detail, das viele unterschätzen: Diese Lymphe muss in den ersten Stunden regelmäßig mit einem sterilen Tupfer sanft abgenommen werden. Trocknet sie ein, entsteht eine dicke, harte Kruste. Und dicke Krusten nehmen beim Ablösen gern Pigment mit.
Eine britische Klinikinformation zur medizinischen Pigmentierung betont, dass die Stelle in dieser Zeit nur trocken getupft und niemals gerieben werden darf. Das deckt sich mit meiner Erfahrung. Reiben erzeugt Mikroverletzungen, und die heilen fleckig.
Jetzt wird es unangenehm. Die Oberfläche spannt, es juckt, bei Brauen bilden sich feine Krüstchen, bei Lippen pellt sich die Haut wie nach einem Sonnenbrand. Die Farbe wirkt stellenweise scheckig, weil manche Partien schon abgeheilt sind und andere noch nicht. Das ist normal. Wirklich.
Die goldene Regel: Krusten fallen von allein. Wer nachhilft, riskiert helle Stellen, die später nachpigmentiert werden müssen. Gegen den Juckreiz hilft leichtes Klopfen neben der Zone, nicht Kratzen darauf.
Das ist die Phase, in der bei uns früher am häufigsten das Telefon klingelte. Die Krusten sind weg, und darunter erscheint die Farbe plötzlich blass, milchig, fast verschwunden. Grund ist die frisch gebildete Oberhaut: Sie ist anfangs noch dicker und trüber als normale Haut und legt sich wie ein Schleier über das Pigment. Innerhalb der nächsten Wochen wird diese Schicht klarer, und die Farbe „kommt zurück“.
Wer das vorher nicht weiß, glaubt, die Behandlung sei misslungen. Deshalb gehört genau dieser Satz in jeden schriftlichen Nachsorgeplan.
Erst jetzt ist ein fairer Vergleich möglich. Wo ist das Pigment gut angenommen, wo gibt es Lücken, passt der Farbton? Für die Nachbehandlung (das Nacharbeiten kleiner Lücken und die Feinjustierung der Farbe) planen die meisten Pigmentiererinnen einen Termin in diesem Zeitfenster. Vorher zu arbeiten bedeutet, in noch nicht fertig geheilte Haut zu stechen. Das ist keine Abkürzung, sondern ein Risiko.
Diese Tabelle kannst Du so oder ähnlich als Grundlage für Deine Pflegekarte nutzen. Sie ersetzt nicht die Anweisungen Deiner Pigmentiererin oder die Hinweise des Herstellers der verwendeten Pflege, aber sie gibt Dir die Reihenfolge.
| Zeitraum | Was Du siehst | Was Du tust | Was Du lässt |
|---|---|---|---|
| Tag 0 (Behandlungstag) | Rötung, Schwellung, Farbe sehr dunkel, Wundflüssigkeit | Lymphe stündlich steril abtupfen, Hände vorher waschen | Anfassen, Make-up, Sport mit viel Schweiß |
| Tag 1 bis 3 | Schwellung geht zurück, Oberfläche wird fester | Pflege dünn nach Vorgabe, trocken tupfen | Reiben, Peelings, Wasser direkt auf die Stelle |
| Tag 4 bis 10 | Krusten, Schuppen, Juckreiz, ungleichmäßige Farbe | Pflege weiter dünn, Krusten in Ruhe lassen | Kratzen, Krusten abziehen, Sauna, Solarium |
| Tag 11 bis 14 | Krusten weitgehend ab, Haut glänzt leicht | Normale, milde Reinigung um die Zone herum | Schwimmbad, Sonnenbad, Make-up auf der Zone |
| Woche 3 bis 4 | Farbe wirkt blass oder milchig | Geduld, Sonne meiden bzw. abdecken | Vorschnelles Urteil, Selbstkorrektur mit Stift „zum Testen“ ist okay, Peelings nicht |
| Woche 4 bis 6 | Farbe wird klarer, Endergebnis sichtbar | Foto bei Tageslicht, Termin zur Nachbehandlung | Laser oder chemische Peelings in der Zone ohne Absprache |
| Danach | Stabiles Ergebnis | Sonnenschutz auf der Zone, Auffrischung nach Bedarf | Vergessen, bei Laser- oder Hautbehandlungen das PMU zu erwähnen |
Die 14-Tage-Grenze ist kein Bauchgefühl. Britische Kliniken, die medizinische Pigmentierungen anbieten, nennen in ihren Patienteninformationen für die ersten zwei Wochen: kein direktes Wasser, kein Schwimmen, keine Sonnenbäder, keine Sauna sowie eine dünn aufgetragene Wundsalbe zweimal täglich. „Dünn“ ist dabei das entscheidende Wort. Eine dick eingecremte Braue kann nicht atmen, die Krusten weichen auf, und genau das kostet Pigment.
Ein Plan für alle Zonen? Funktioniert nur halb. Die Grundregeln bleiben gleich, die Tücken sind verschieden.
Brauen heilen meist am unkompliziertesten, die Krustenphase fällt aber bei Härchentechnik und Puder-Technik unterschiedlich aus. Bei feinen Härchenstrichen sind die Krusten zart und lösen sich schnell. Bei dichten Schattierungen bildet sich eher eine flächige, dünne Schicht, die dann abschuppt. Kritisch ist das Duschen: Shampoo und Duschgel laufen gern genau über die Stirn. Kopf beim Haarewaschen nach hinten neigen, Gesicht separat mit einem feuchten Tuch um die Brauen herum reinigen. Mehr zur Technik selbst findest Du auf unserer Seite zu Permanent Make-up an den Augenbrauen.
Lippen schwellen am stärksten und pellen am deutlichsten. Und sie sind ständig in Bewegung: Essen, Trinken, Sprechen. Ich empfehle in den ersten Tagen weiche, nicht zu heiße und nicht zu scharfe Kost und Trinken mit dem Strohhalm. Beim Zähneputzen gilt: Zahnpasta und Mundspülung reizen die frische Pigmentierung, daher vorsichtig putzen, nachspülen, ohne die Lippen zu benetzen, und die Lippen danach sauber tupfen. Diesen Punkt nennt auch die britische Patienteninformation zur Mikropigmentierung als Fallstrick.
Noch ein Punkt, der nicht fehlen darf: Wer zu Lippenherpes neigt, sollte das vor dem Termin ansprechen und mit der Hausärztin oder dem Hausarzt klären, ob eine Vorbeugung sinnvoll ist. Das entscheidet nicht die Pigmentiererin. Details zur Lippenpigmentierung stehen auf unserer Seite zu Permanent Make-up an den Lippen.

Am Lid ist die Haut hauchdünn, die Schwellung zeigt sich oft am nächsten Morgen am stärksten. Kühlen mit sauberen, eingepackten Kühlpads (nie direkt Eis auf die Haut) tut gut. Kontaktlinsen, Wimperntusche und Wimpernzange bleiben in der ersten Zeit weg, bis die Pigmentiererin grünes Licht gibt. Und: Augen nicht reiben, auch wenn es juckt. Mehr zum Thema auf unserer Seite zum Permanent Make-up am Lidstrich.
Nach drei Jahrzehnten im Familienbetrieb kenne ich die Klassiker. Keiner davon ist böse Absicht. Fast alle entstehen, weil niemand vorher klar gesagt hat, was kommt.
Und ein sechster, der eigentlich zur Pigmentiererin gehört: den Plan nur mündlich erklären. Am Behandlungstag ist die Kundin aufgeregt, vielleicht leicht benommen von der Betäubungscreme, und vergisst die Hälfte. Schriftlich, mit Daten, am besten mit Fotos der typischen Phasen.
Rötung und Schwellung in den ersten Tagen? Normal. Was nicht normal ist, ist eine Entwicklung in die falsche Richtung: Es wird nach Tag zwei oder drei schlimmer statt besser. Ein Londoner Universitätsklinikum rät, bei Anzeichen einer Infektion nach einer Tätowierung oder kosmetischen Behandlung zeitnah ärztlichen Rat einzuholen. Konkret heißt das für Dich:
In diesen Fällen ist nicht die Pigmentiererin die richtige Adresse, sondern die Hausarztpraxis oder eine Hautärztin, bei Fieber am besten noch am selben oder am nächsten Tag. Bei Ausschlag und Juckreiz, die erst Wochen oder Monate später auftreten, kann eine Unverträglichkeit gegen Farbbestandteile dahinterstecken. Dass Permanent-Make-up-Farben schwere Hautreaktionen auslösen können, ist in der dermatologischen Fachliteratur beschrieben. Auch hier gilt: Dermatologin, kein Hausmittel.
Klingt paradox, ist aber meine feste Überzeugung. Die beste Pflegekarte rettet nichts, wenn im Studio unsauber gearbeitet wurde. Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist für Tätowierungen und PMU auf die europäische Norm DIN EN 17169 „Tätowieren – Sichere und hygienische Praxis“, die Leitlinien zum Schutz vor Infektionen enthält. In einer älteren Stellungnahme zu Infektionsrisiken nennt das BfR als Grundlagen einen Hygieneplan, Einmalhandschuhe, Mundschutz und ordnungsgemäße Händedesinfektion.
Zur Farbe selbst: In Deutschland regelt seit dem 1. Mai 2009 die Tätowiermittel-Verordnung unter anderem Herstellung und Kennzeichnung solcher Mittel. Für Kundinnen heißt das praktisch: Frag nach, welche Farbe verwendet wird, und lass Dir die Angaben zeigen.
Und das Gespräch vorher? Das Bundesamt für Verbraucherschutz formuliert es deutlich: Profis, die ihre Kundschaft ernst nehmen, arbeiten nicht beim ersten Besuch, sondern erst nach eingehender Beratung zu Risiken und gesundheitlichen Aspekten. In diese Beratung gehört der Nachsorgeplan. Nicht erst auf den Tresen beim Bezahlen.
Wenn Du selbst ein Studio führst: Unsere Anleitung zum rechtssicheren Hygieneplan im Kosmetikstudio und der Überblick zum professionellen Ablauf einer PMU-Behandlung sind ein guter nächster Schritt.
Nach sechs Wochen ist die Heilung durch. Die Pflege nicht ganz. UV-Licht lässt Pigmente schneller verblassen und kann Farbtöne verschieben, gerade bei Brauen, die täglich Sonne abbekommen. Das BfR nennt in seinem Vortrag über Tätowierungen ausdrücklich: Sonnenschutz verlängert auch die Haltbarkeit.
Was viele nicht auf dem Schirm haben: Der Abschlussbericht der EU-Forschungsstelle JRC zur Sicherheit von Tattoos und PMU beschreibt, dass durch UV-Strahlung oder Laserbehandlung Abbauprodukte von Pigmenten entstehen können, darunter potenziell schädliche aromatische Amine. Für die Praxis heißt das: Wer Jahre später eine Laser-Haarentfernung, IPL oder ein Laser-Resurfacing im Gesicht plant, sagt der behandelnden Person vorher, wo PMU sitzt. Gute Fachkräfte decken die Zone ab oder sparen sie aus. Auch stark exfolierende Peelings direkt auf der pigmentierten Stelle beschleunigen das Verblassen.
Wir sehen es in unseren Schulungen immer wieder: Angehende Pigmentiererinnen stecken ihre ganze Energie in Form, Farbe und Stichtechnik. Völlig verständlich, das ist der sichtbare Teil. Aber ein Ergebnis wird zur Hälfte in der Kabine gemacht und zur anderen Hälfte zu Hause, im Badezimmer der Kundin. Wer die Heilungsphasen nicht erklären kann, verliert Vertrauen genau dann, wenn die Kundin in der Milchhaut-Phase verunsichert vor dem Spiegel steht.
Deshalb finden wir: Der Nachsorgeplan gehört ins Beratungsgespräch, auf Papier, mit Daten und mit dem Termin zur Nachbehandlung gleich eingetragen. Er ist ehrlich, auch wenn das unbequem ist (ja, es wird jucken, und ja, es sieht eine Woche lang nicht schön aus). Und er sagt klar, wann die Kundin zur Ärztin gehen soll statt ins Studio.
In unserer Permanent-Make-up-Ausbildung ist genau das Teil des Handwerks: Hygiene, Aufklärung und die Begleitung durch die Heilung, nicht nur die Nadelarbeit. Als AZAV-zertifizierter Bildungsträger und zertifizierte Landesschule des Bundesverbands für Kosmetik und Fußpflege e. V. legen wir Wert darauf, dass unsere Absolventinnen nicht nur schöne Brauen stechen, sondern ihren Kundinnen auch nach dem Termin Sicherheit geben.
— Selin Arowolo
Du willst PMU professionell anbieten und die ganze Kette beherrschen, von der Beratung bis zur Nachbehandlung? Bei der NINON Kosmetik Akademie in Berlin gibt es zwei Wege: die Permanent Make up Artist – Basis-Ausbildung für 1.990 € und die Permanent Make up Artist – Intensiv Ausbildung für 2.490 €. Viele unserer Kurse sind hybrid aufgebaut, mit Theorie online und Praxis vor Ort. Als AZAV-zertifizierter Träger bieten wir Kurse an, die grundsätzlich förderfähig sein können, zum Beispiel über einen Bildungsgutschein, und wir unterstützen Dich bei der Antragstellung. Alle Details zu Inhalten und Terminen findest Du auf der Seite PMU-Ausbildung bei NINON.
Die empfindliche Phase dauert rund zwei Wochen, in dieser Zeit ist die Hautbarriere noch nicht geschlossen. Das endgültige Farbergebnis siehst Du aber erst nach etwa vier bis sechs Wochen, wenn sich die neue Oberhaut vollständig geklärt hat. Erst dann ist auch der richtige Zeitpunkt für eine Nachbehandlung.
In den ersten 14 Tagen: kein Wasser direkt auf die Brauen, kein Schwimmbad, keine Sauna, kein Sonnenbad, kein Make-up auf der Zone und keine Krusten abziehen. Auch schweißtreibender Sport sollte in den ersten Tagen Pause machen. Pflege nur dünn und nur mit dem Produkt, das Dir Deine Pigmentiererin empfohlen hat.
Zähneputzen ist ab dem ersten Abend in Ordnung, nur eben vorsichtig. Achte darauf, dass Zahnpasta und Mundspülung nicht auf die pigmentierten Lippen kommen, spüle sparsam und tupfe die Lippen danach sauber und trocken. Nach dem Essen die Lippen ebenfalls sanft reinigen.
Meist nicht. Die frisch gebildete Haut liegt anfangs wie ein milchiger Schleier über dem Pigment, deshalb wirkt die Farbe in Woche zwei bis vier oft deutlich zu hell. Warte bis Woche vier bis sechs, bevor Du urteilst, und sprich Lücken dann beim Nachbehandlungstermin an.
Wenn Rötung, Schwellung oder Schmerz nach dem dritten Tag zunehmen statt abklingen, wenn Eiter austritt oder Du Fieber bekommst. Dann lass das zeitnah in der Hausarztpraxis oder dermatologisch abklären. Auch ein Ausschlag oder starker Juckreiz Wochen später gehört zur Hautärztin, weil eine Unverträglichkeit gegen Farbbestandteile möglich ist.

Joachim-Friedrich-Str. 52
10711 Berlin
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